Woran wir unser pädagogisches Handeln ausrichten

Das pädagogische Handeln in unserer Einrichtung wird inspiriert sein durch die Philosophie der Reggio-Pädagogik.

Bild vom Kind

Wir sehen die Kinder als Konstrukteure ihrer Entwicklung sowie ihres Wissens und Könnens. Ihnen wird zugetraut, dass sie ihre Interessen, Themen und Handlungsstrategien als Entdecker, Forscher und Künstler selbst entwerfen. Wir gehen also davon aus, dass ein Kind von Natur aus neugierig ist und die Welt mit allen Sinnen erforschen will, um sie dadurch zu erobern. Wir glauben, dass die Kinder Experten ihrer selbst sind und mit voller Energie die eigene Entwicklung vorantreiben.

Rolle der Pädagogin

Als Begleiterin schafft die Erzieherin eine Atmosphäre des Wohlbefindens.  Dabei stehen Vertrauen, Freiheit in der Wahl der Tätigkeit und Berücksichtigung des individuellen Lernrhythmus im Zentrum der Haltung und des Handelns der Pädagogin. Zum Verständnis als Begleiterin gehört ebenso, dass stets Anregungen gegeben werden, jedoch keine Lösungen vorgesetzt. Aufgabe im Sinne der Begleitung ist es auch, stets Zeit und Raum  für sinnliche Wahrnehmungen zu schaffen.  Die Pädagogin hat außerdem den Auftrag Zeugin der individuellen Potentiale der Kinder zu werden und damit aufmerksam für alle Ausdrucksformen der Kinder zu sein. Sie zeigt Interesse, lernt den Mitteilungscode des Kindes kennen und plant Zeit für Kommunikation ein, um die Potentiale des Kindes zu erfassen und rückzumelden.

Der reggianische Bildungsbegriff

Lernen wird in der Reggio-Pädagogik als kreativer Akt gewertet. Im Einklang mit aktuellen Befunden der Hirnforschung wird angenommen, dass nachhaltiges Lernen immer dann gelingt, wenn erstens eine hohe Intensität sinnlicher Wahrnehmung vorliegt und zweitens eine emotionale Beziehung zum Lerngegenstand be- oder entsteht. Drittens wird für die Nachhaltigkeit angenommen, dass ein hohes Maß an individueller Lernorganisation gegeben sein muss.

Lernen erfolgt nicht durch Anleitung und/oder Übung, sondern wird vom Kind selbst vollzogen, wenn es eine reiche Umwelt vorfindet, mit der es sich auseinander setzen kann. In diesem Sinne verstehen wir unsere Bildungsangebote als kindorientiert.

Partizipation

Bedingt durch die Philosophie der Reggio-Pädagogik stellt das Aufgreifen der Interessen und Themen der Kinder ein zentrales pädagogisches Handeln im Alltag dar. So wird spontan und flexibel der passende Rahmen für das entdeckende Lernen geschaffen, der in hohem Maße durch die Kinder mitbestimmt ist. Partizipation wird daher in einem großen Maße im Alltag gelebt.

Ein explizites Instrument der Partizipation der Kinder wird es im Rahmen der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung und Gestaltung des Außengeländes zu Beginn des Betriebes geben. Wir wollen den Kindern keine fertige Außenanlage präsentieren, die einem Spielplatz gleicht. Vielmehr möchten wir mit den Kindern im Dialog ihre Bedürfnisse erfassen und Umsetzungsmöglichkeiten planen. Ziel ist auch die aktive Beteiligung an körperlich unbedenklichen Arbeiten.

Wöchentliche Kinderkonferenzen werden ein fester Bestandteil der gemeinsamen Arbeit im Sinne der Partizipation der Kinder sein.

Pflege einer Bildungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Kindern

Der Gemeinschaft wird als Ausgangspunkt für die Entwicklung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Auch die Beziehung zwischen den Eltern und den pädagogischen Fachkräften hat entscheidende Auswirkungen auf die Lern- und Bildungsprozesses des Kindes im Kindergarten. Nun kann man Akzeptanz und Vertrauen jedoch nicht voraussetzen oder einklagen, sondern muss diese durch gemeinsame Erfahrungen wachsen lassen, damit gute Beziehungen auch unter den Erwachsenen entstehen können.

Öffnung zum Sozialraum

Wir wollen sichtbar sein und die Kinder ihre Umgebung erkunden lassen. Wir möchten den Entdeckungs- und Gestaltungsspielraum nicht auf unser Haus und den Garten beschränken, sondern die Umgebung erfahrbar machen. Der Kindergarten soll das Nest bzw. der Hafen sein, in das bzw. in den man nach spannenden Entdeckungstouren zurückkommt, um sich Geschichten darüber zu erzählen.

So soll ein fester Wald- und Wiesentag etabliert werden, durch den naturpädagogische Angebote eingebunden werden können. Um Impulse zur motorischen Entwicklung zu setzen, möchten wir zudem gerne mit jeder Gruppe einmal wöchentlich in einer Turnhalle zu Gast sein. Darüber hinaus möchten wir projektbezogen wichtige Institutionen der Stadt besuchen: die Feuerwehr, die Polizei, die Kirche, ein Altersheim. Wir möchten den Kindern so den Kontakt zur Erwachsenenwelt mit ihren vielfältigen Aufgaben und Berufen ermöglichen und Berührungspunkte mit den Einrichtungen schaffen.

Aktive Beteiligung an gesunder und bedürfnisorientierter Ernährung

Wir wollen die Kinder an gesunde und abwechslungsreiche Nahrung heranführen, die ihre körperlichen Bedürfnisse erfüllt. Sie sollen erfahren, warum, womit und wie wir in unserer Kultur essen und welche Lebensmittel (nicht) gesund sind. Dabei sollen die Kinder keinesfalls mehr eingeengt werden als notwendig und v.a. an der Zubereitung der Mahlzeiten möglichst oft beteiligt werden. Zu unserem ernährungs-pädagogischen Konzept gehören folgende Aspekte.

  • Die Kinder nehmen die Mahlzeiten in einem Kinderrestaurant ein, d.h. ein Raum wird extra als Speisezimmer bzw. Restaurant in einer Atmosphäre eingerichtet, die Tischsitten und Gesprächskultur beim Essen fördert.
  • Die Kinder speisen in Kleingruppen, die die Mahlzeiten jeweils gemeinsam mit Tischritualen beginnt und beendet. Die Kinder essen daher zeitversetzt, aber anders als in einer Kantine herrscht kein ständiges Kommen und Gehen. Langsam essende Kinder erhalten jedoch die Möglichkeit, ihre Mahlzeit mit der nächsten Gruppe zu beenden.
  • Die Kinder sollen nicht alleine in der Konsumentenrolle verweilen. Sie sind eingeladen, an der Vorbereitung der Mahlzeiten teilzunehmen. Sie können Wunschgerichte bestimmen, dafür an den Einkaufstagen die Beschaffung (einiger) Zutaten übernehmen und anschließend verarbeiten.
  • Auch beim Gestalten der Tische (schön eindecken etc.) sowie dem Abräumen sollen die Kinder mithelfen.